08.02.2018

Georg Rauer, Wolfsbeauftragter  der Veterinärmedizinischen Universität Wien, beleuchtete die rasche Ausbreitung der Wölfe in Europa. Sie ist auf die hohe potenzielle Vermehrungsrate (ein Rudel produziert vier bis sechs Junge pro Jahr), ein hervorragendes Nahrungsangebot sowie strenge Schutzbestimmungen zurückzuführen. Im Gegensatz zu Luchsen und Bären plant niemand, Wölfe auszusetzen, so Rauer. Wölfe kommen von alleine. Das führt vor allem in der Landwirtschaft und in der Jagd zu Konflikten. Eine nachhaltige Bejagung würde erst durch eine Transferierung des Wolfes in Anhang V der FFH-Richtlinie erlaubt werden. Das setzt einen nachhaltig stabilen Bestand voraus.
Die Landwirtschaft muss Präventionsmaßnahmen ergreifen, die aber nicht 100%ig wirken und einen Mehraufwand bedeuten. Da der Schutz des Wolfes ein gesamtgesellschaftliches Anliegen ist, muss die öffentliche Hand die Schäden abgelten und die Prävention fördern. Die Gefährlichkeit des Wolfes steigt mit der Gewöhnung des Wolfes an den Menschen oder dem Fehlen der natürlichen Beutetiere. Den Wolf dürfe man weder verteufeln noch mystifizieren, so der Wildbiologe. Es braucht objektive Dokumentation und sachliche Diskussion.
Die Sicht der Betroffenen legte Josef Zandl von der Gutsverwaltung Fischhorn in Bruck an der Glocknerstraße dar. 68 Schafe stürzten auf der Alm in den Tod, leider gelang der Nachweis nicht, dass ein Wolf der Täter war. Insofern war die Entschädigungsfrage schwierig zu klären. Die Salzburger Landesregierung hat kulanterweise 15.000 Euro überwiesen. Die Konsequenz aus den Scherereien ist, dass die Gutsverwaltung auf der Alm keine Schafe mehr aufnimmt. Der Aufwand für Zäune, Hirten, Nachtpferche, Herdenschutzhunde etc. ist zu hoch, außerdem gibt es bezüglich der Haftung offene Fragen. Josef Zandl verlangt eine wildökologische Raumplanung, in der jene Gegenden festgelegt werden, wo sich Wölfe integrieren lassen. Das alpine Weideland gehört definitiv nicht dazu.

Der Herdenschutz funktioniert nicht
Aus Sicht des Tourismus berichtete  Frau Carolina Rück, Tourismusdirektorin aus Entlebuch in der Schweiz. Mit dem Wolf hat der Tourismus keine Probleme, sehr wohl aber mit den Schutzmaßnahmen. In Entlebuch gibt es fünf Alpen mit jeweils zwei bis drei Herdenschutzhunden. Täglich erhält die Tourismusdirektorin Anrufe von verängstigten Touristen, die von den großen Hunden verbellt werden. Besonders problematisch wird die Situation, wenn die Wanderer eigene Hunde mitführen. Auf dem Papier funktioniert der Herdenschutz vielleicht, in der Schweizer Praxis jedoch nicht.
Einen absoluten Fürsprecher findet der Wolf im WWF Österreich, bei der Wintertagung vertreten durch Christian Pichler. „Der Wolf ist gekommen, um zu bleiben“, spricht sich der Naturschutzverein gegen eine Bejagung des Wolfes aus. Der WWF hat sechs Punkte für das Zusammenleben mit dem Wolf definiert, nämlich ein verstärktes Monitoring über Anzahl, Verbreitung und Schäden der Wölfe, saatliche Unterstützung für Präventionsmaßnahmen, unkomplizierte Entschädigungen im Schadensfall, Information für die Landwirtschaft über Herdenschutz, Hilfe, etc., Schulterschluss Landwirtschaft, Jagd und Naturschutz durch Politik und eine bessere internationale Kooperation – Erfahrungen der Nachbarländer nutzen.
Johann Jenewein forderte im Namen des Almwirtschaftsvereines Tirol die Herabstufung des Schutzstatus des Wolfes und die Einführung großraubtierfreier Zonen, wie sie auch in der Resolution von Kranskja Gora 2016 von den Almbauern aus der Schweiz, Bayern, Slowenien, Österreich, Südtirol und Frankreich verlangt wird. In Skandinavien etwa ist zur Erhaltung der Kultur der Samen mit ihrer traditionellen Rentierzucht ein Gebiet mit der mehrfachen Fläche Österreichs als großraubtierfreie Zone ausgewiesen, wo sich keine Wolfsrudel ansiedeln dürfen.
Am Beispiel Frankreich sieht man, dass der Herdenschutz nicht funktioniert. Pro Jahr werden dort etwa 10.000 Nutztiere von Wölfen gerissen, 80 Prozent davon in geschützten Herden, die Hälfte am helllichten Tag. Der Schaf- und Ziegenbestand ist seit 1988 um die Hälfte zurückgegangen, ähnlich die Situation im deutschen Bundesland Sachsen und in einigen Kantonen der Schweiz. Die Herdenschutzmaßnahmen sind für die Almbauern nachweislich wirkungslos. „Das ist kein Herdenschutz, sondern Wolfsschutz mit staatlich vorgeschriebenen Alibihandlungen und geduldeten Tierschutzmissachtungen“, so die kämpferischen Almbauern.
Selbstverständlich konnte das komplexe Thema nicht erschöpfend diskutiert weden, weitere kontroversielle Debatten werden die Landwirtschaft in den nächsten Jahren begleiten.

Foto: Von einem Wolf gerissenes Schaf bzw. Lämmer (Foto aus Frankreich).

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